Unsere Geschichte

Begonnen hat alles in unserem Urlaub 1985 am Ijsselmeer in Holland: bei dieser Gelegenheit hatte ich unseren ersten schwarzen Labrador-Rüden, gerade 11 Monate alt, im nahen Amsterdam auf der dort stattfindenden Weltsieger-Hundeausstellung gemeldet.
„Alf“, so hieß er, kam mütterlicherseits aus reiner Field-Trial Zucht (engl. Arbeitslinie), väterlicherseits aus reiner engl. Schaulinie mit 7 englischen Schau-Champions als Vorfahren.
Auf dieser Ausstellung erreichte Alf immerhin ein -sehr gut-. Ich sah dort viele sehr schöne typische Labradors. Holland war schon damals, was Zucht und Standard anbelangt, viel erfolgreicher als wir in Deutschland.
Bei dieser Ausstellung erwarb ich den Bildband „20 Jaar Labradors in Nederland“, herausgegeben von der Nederlandse Labrador Vereiniging. Während der Ausstellung wurde direkt neben mir im Ring ein sehr schöner junger gelber Rüde vorgestellt, der auch Weltjugendsieger wurde – Champion „Sunny Loch’s Lord Shoveler“.
In dem Bildband gab es einige sehr typische gelbe Labradors von diesem Kennel; die Zuchthunde kamen aus England bzw. aus englischen Linien und gingen überwiegend zurück auf „Sandylands“ und „Poolstead“.
Am folgenden Tag rief ich die Züchterin des „Sunny Loch’s“-Kennel, Madam Tuus van Adrichem Boogaert-Kwint, an und fragte sie, ob ich mir ihre Hunde einmal anschauen dürfe – sie lud uns spontan ein, sie in Heemstede zu besuchen.

Bei unserer Ankunft und Begrüßung trafen wir auf wunderschöne gelbe Labradors:

Ch. Hündin „Elvelege Pennyroyal“, niederländische Clubsiegerin 1981 und Rassebeste,

Ch. Rüde „Cranspire Skytrain“, Jugend Warrand Winner (England), niederländischer Clubsieger 1982 und Rassebester

und deren sehr schöne typische Tochter „Sunny Loch’s Kinlochgowrae“.

Tuus van Adrichem Boogaert-Kwint erwartetet zu dieser Zeit von dieser Hündin einen Wurf nach dem gelben engl. Champion „Heatherbourne Court Jester“, einem Ur-Enkel des berühmten Champions „Sandylands Mark“.
Ich fragte Tuus, ob ich aus diesem Wurf einen Rüden-Welpen bekommen könnte, sie machte mir damals jedoch keine Zusage. Beim Abschied hieß es nur: „ich kenne Sie ja noch nicht, ich weiß noch nicht“.
Zwei Wochen später trafen wir uns dann - mehr zufällig – bei der DRC-Clubschau in Baunatal. Dort führte ich erneut unseren Alf in der Jugendklasse und siehe da, er wurde Zweiter (V2) vor dem Weltjugendsieger von Sunny Loch’s.
Am Abend gelang es mir mit Tuus van Adrichem Boogaert-Kwint ins Gespräch zu kommen: meine Beharrlichkeit hatte sich gelohnt, denn Fazit dieses Gesprächs war „Du bekommst einen Welpen, ich habe Dich heute im Ring gesehen und mich nach Dir erkundigt!“
Ja, so war das damals – Tuus hätte nie einen Welpen an einen „Wildfremden“ abgegeben.

Im Dezember 1985 konnte ich dann „Sunny Loch’s My Mystery Man“, genannt „Mister“, zu uns holen und er entwickelte sich prächtig: HD-0, WT, BGH, er war vollzahnig, was damals in Deutschland äußerst wichtig war. ED-Auswertung gab es `85 noch nicht.

1988 war Misters erfolgreichstes Jahr:

er wurde VDH-Champion, Deutscher Champion DRC + LCD, NL-Champion, Clubsieger der weltweit größten Labrador-Clubschau Appeldorn in Holland (650 gemeldete Hunde), Clubsieger in der Schweiz und in Österreich (in den darauffolgenden 2 Jahren noch zweimal Clubsieger Österreich) und erreichte 1988 insgesamt 11 mal BOB (Rassebester) und 2 Mal BOS (Bester Rüde).

Nach der Clubschau in Holland im Herbst `88 bekam ich eine Anfrage vom Amerikanischen Retriever Club, sie wollten Mister gerne für ein Jahr für den Zuchteinsatz in den USA. Tuus riet mir zu, da es für ihren Kennel international wichtig war. Ich wollte und konnte mich aber nicht für ein Jahr von Mister trennen!

Es gab laufend Deckanfragen aus der Schweiz, Österreich, Holland, Belgien, Luxemburg und Deutschland. Mister kam jedoch nur „zum Einsatz“, wenn die Hündin entsprechend war.

Ich bin meistens meinem Grundsatz treu geblieben „zu einem hervorragenden Rüden gehört auch eine hervorragende Hündin“!

Dies hat sich deutlich bei seinen Nachkommen bestätigt, da es in der Folgezeit wohl ein Dutzend Champions, teils auch in Arbeitsprüfungen, unter seinen Nachkommen gab.

1991 fing ich an mir Gedanken zu machen, „was kommt nach Mister“?

Die Erfolge hatten mir gezeigt, was möglich wäre und daraus ist bei mir dann der Wunsch entstanden, selbst zu züchten um Nachkommen von Mister zu bekommen.

Bei diesen Bestrebungen wurde ich von englischen Labrador-Freunden und von Misters Züchterin unterstützt.

Es galt nun eine passende Junghündin für Mister zu finden um meine Zucht aufzubauen.

Mittlerweile war ich 2. Vorsitzender im Labrador Club (LCD), später (1993-1995) 1. Vorsitzender und Leiter des Zuchtschauwesen – keine leichte Aufgabe, vieles war im Umbruch.

Eine Hündin für Mister fand ich nicht direkt: so sollte ich beispielsweise eine Welpenhündin nach dem englischen schwarzen Rüden „Charway Ballymurdock“, der gerade in Holland Clubsieger wurde, bekommen. Aber leider, am Tag seines größten Erfolges stellte man bei der Augenuntersuchung fest, dass der Rüde PRA-Träger ist . Das hies schon damals sofortiger Ausschluss.
Laut Besitzerin erblindete der Rüde tatsächlich später an Catarakt (HC).

Um Misters Nachkommenschaft zu sichern, holte ich im Mai 1992 eine Enkeltochter von ihm als Welpe – „Melody vom Lauterbachtal“, genannt „Millie“.

Millie entwickelte sich prächtig, sie wurde meine erste Zuchthündin.
HD-2, ED-0, vollständiges Gebiss, WT, JEP, BLP (153 Pkt.) – leistungszuchttauglich –, Deutscher Jugendchampion, Europa-Jugendsiegerin 1993, VDH-Ch., DT-Ch. LCD, DT-Ch. DRC, Internationaler Champion – Millie war damals die erste Multi-Champion Hündin in Deutschland.

Mit Millie und dem schwarzen belgischen Rüden „Quatro of Lucifer’s Delight“, einem sehr typischen Labrador mit jagdlicher Leistungsprüfung, HD-A, ED-0, ebenfalls Multichampion, hatten wir dann im April 1994 unseren ersten Wurf mit 7 gelben und schwarzen Welpen.
Auf Empfehlung von Tuus behielten wir den gelben Rüden „Mystery Mistral’s Advantage“, genannt „Leo“, und aus ihm wurde eine echte Persönlichkeit.

HD-B1, ED-0, vollständiges Gebiss, WT, BHP, JEP, BLP, JGPR, LSP, dazu Deutscher Jugendchampion, VDH-Ch., DRC + LCD-Ch., österreichischer Champion mit Arbeitsprüfung, internationaler Champion, Clubsieger DRC `97, Bundessieger Wien 1989, österreichischer Clubsieger 1999. Bis heute wurde diese Züchterleistung in Deutschland nicht wiederholt; 4 jagdliche Leistungsprüfungen, 6 Championtitel, 2 Clubsiegertitel, 1 Bundessiegertitel.

Mister und sein Urenkelsohn Leo waren für mich labradormäßig das Maß aller Dinge. Im englischen Jahrbuch „The Labrador Retriever Club“ 1989 sind beide verewigt.
Für Mister hatte ich im Januar 1994 in England die erwachsene gelbe Hündin „Rocheby Candy Taft“, genannt „Candy“ vom Rocheby-Kennel von Marion Hopkinson für die Zucht erworben. Candy war eine Tochter der Championhündin und Crufts Winner „Rocheby Acorn“, d i e Superzuchthündin der 90er Jahre in England. Es brauchte einige Zeit bis Candy sich bei uns eingewöhnt hatte. HD-0, ED-0, vollständiges Gebiss, WT, JEP, BLP (157 Pkt.).

Mit Candy hatten wir insgesamt 3 Würfe, den B-Wurf mit Mister, den C- und E-Wurf mit Leo. Aus dem B-Wurf mit Mister und Candy behielten wir die gelbe Hündin „Mystery Mistral’s Born in the icy Night“, genannt „Abby“ – es war der letzte Deckeinsatz von Mister und Candy hatte sie in der kalten Winternacht draußen im Schnee geworfen. HD-0/0, ED-0/0, komplettes Gebiss.

Der C-Wurf mit Candy und Leo brachte sehr schöne typische, gesunde Welpen aus denen dann einige V-Hunde und Champions hervorgingen.
Abby hatte 1998 einen sehr schönen Wurf, gelb und schwarz, nach einem schwarzen englischen „Poolstead“-Rüden, der in Luxemburg stand. Anfang 2000 folgte der E-Wurf mit Candy und Leo.

Ich hatte im Frühjahr 1998 sechs Labradors: Alf, Mister, Leo, Millie, Candy und Abby.

In Memoriam:

Alf starb mit 14 ½ Jahren und
Mister mit 12 ½ Jahren im Frühjahr 1998 – eine Ära ging leider zu Ende...

Nachdem Alf und Mister nicht mehr waren, hatte ich mir vorgenommen, dass ich, solange ich berufstätig war, nicht mehr als vier Labradors haben wollte, weshalb ich aus den schönen D- und E-Würfen selbst keinen Welpen behalten habe.

Wie wollte ich neben meinem Beruf (Bauingenieur) mehr als vier Hunden gerecht werden, d.h. sie artgerecht beschäftigen mit Ausbildung = Grundgehorsam, jagdlicher Ausbildung, Dummyarbeit, jagdlichen Prüfungen, jagdlichem Einsatz (seit 1997 Jagdscheininhaber), täglichem Auslauf und Ausstellungen?

Der Labrador muss, will beschäftigt werden!

Aus familiären Gründen habe ich mehrere Jahre nicht gezüchtet und mittlerweile sind
Millie, Leo, Candy und Abby gestorben...

In dieser Zeit blieb ich weiter als Zuchtwart im LCD und für den VDH aktiv und hatte somit immer engen Kontakt zum Zuchtgeschehen. Seit Anfang 2005 bin ich im beruflichen Ruhestand, nun kann ich mich wieder voll und ganz dem Labradorgeschehen zuwenden.

Mister, 20 Monate alt
Mister, 6 Jahre alt
Millie, 4 Jahre alt
Millie
Leo
Candy
Abby
Alf mit 14 Jahren

Mister mit 13 Jahren